Sonntag, 13. Mai 2018

Der Sanfte und sein Unmensch / Tharah Meester





Verlag: Selfpublisher
Seiten: 125
Jahr: 2017
Ausgabe: eBook
Preis: 2,99€
Meine Bewertung: 5/5


Seit einem Reitunfall ist Jansons Beziehung zu Harold ebenso angeschlagen wie er selbst. Zusätzlich zu seiner körperlichen Beeinträchtigung macht ihm das absurde Verhalten seines Ehemannes zu schaffen. Der benimmt sich enervierend überfürsorglich und doch merkwürdig distanziert. Hat er ihn etwa nur aus Anstand geheiratet?
Als wäre das Gefühlschaos nicht schon genug, hält ihm aus heiterem Himmel ein Verrückter eine Flinte vors Gesicht und er muss erfahren, dass sein Gemahl ihm einiges verschwiegen hat. So schnell gibt Janson aber nicht auf. Stattdessen will er die Gelegenheit nutzen, um das Feuer ihrer Liebe neu aufflackern zu lassen. Wird sein Versuch gelingen oder macht er alles nur noch schlimmer? (Quelle: Amazon)

Anfang

Harold kam so ungestüm durch die Tür, wie er meist durch eine solche trat. Wenn sie sich nicht öffnen ließ, lief er auch gerne mal mit dem Sturschädel durch die Wand. Es war nur einer seiner Charakterzüge, die ihm den Beinamen 'Coldhearted Brute' eingebracht hatten. Kaltherziger Unmensch.

Meine Meinung

Seit Janson in ihrer Verlobungszeit einen Reitunfall hatte, sitzt er im Rollstuhl. Sein Mann Harold, der den Beinamen 'Kaltherziger Unmensch' erhalten hat, kümmert sich seitdem rührend um seinen Mann. Fast schon ein bisschen zu viel und merkt dabei nicht, dass er Janson damit erdrückt. Dieser ist sich auch nicht mehr so sicher, ob Harold im Endeffekt aus Liebe, oder doch nur aus Pflichtgefühl geheiratet hat, denn bei all der erdrückenden Hilfsbereitschaft und Fürsorge, kommt die leidenschaftliche Liebe doch etwas zu kurz.

Panisch schloss er die Augen und wagte es nicht, auf seine Knöchel hinabzusehen. Gewiss waren sie erneut gebrochen. Zumindest schmerzten sie auf jene teuflische Weise. Die Pein machte ihm die Augen wässrig und raubte ihm die Luft zum Atmen. (Position 298-299)

Seit ich zehn Minuten in "Der Liebreiz einer Hyazinthe" reingelesen hatte, bin ich absoluter Meester-Fan. So ist es nicht verwunderlich, dass mir auch dieser Kurzroman gut gefallen hat.

Tharah entführt den Leser (wie so oft) nach Farefyr und lässt ihn in das Leben eines schwulen Paares. Sie sagte mal auf Instagram, dass sie gar nicht mehr in der Lage sei heterosexuelle Geschichten zu schreiben. Selbst wenn sie damit beginne, würde es sich irgendwann drehen und es käme doch ein homosexuelles Pärchen bei rum. Mich persönlich freut das sehr. Mittlerweile scheint die Menschheit tatsächlich offener zu werden und die Sexualität anderer Personen zu akzeptieren. Doch leider wird immer noch (zumindest in meinen Augen) ein viel zu großes Drama draus gemacht. Wir müssen an den Punkt kommen, dass es völlig egal ist, ob sich ein Mensch zu Männern oder Frauen hingezogen fühlt und auch ein Mann mit Make-Up oder hohen Hacken nicht mehr angestarrt wird. Macht euch frei von diesen ganzen Konventionen und nehmt die Menschen wie sie sind. Warum ich das hier mit reinschreibe? Weil Tharah genau das in ihren Büchern macht. Da ist es nämlich ganz normal, dass sich zwei Männer finden oder verheiratet sind. Das ist dort für niemanden anstößig oder unnormal. Zumindest nicht in Farefyr. Gavrila aus Der Liebreiz einer Hyazinthe, erwähnt allerdings, dass im Stakreich eine Haftstrafe, wenn nicht sogar der Galgen auf Homosexualität steht. Gut, dass wir uns in Farefyr befinden, wo die Liebe mit allen ihren Facetten genossen werden kann!

Weiter kam er nicht, den Janson hatte nach dem Brötchen gegriffen und es ihm treffsicher an die Stirn geworfen. "Du gehst jetzt packen!", schrie er so laut, dass man ihn am anderen Ende der Welt noch hören musste. "Ich gestatte nämlich nicht, dass du mir irgendetwas nicht gestattest! Du hast hier nichts mehr zu sagen, verdammt!" (Position 503-505)

Sehr gut gefallen hat mir, dass der Leser sich schon in einer bröselnden Ehe befindet und nicht die komplette Beziehung auf gefühlt fünf Seiten durchmachen muss. Dabei läuft man nämlich immer Gefahr, dass irgendetwas zu kurz kommt oder zu gezwungen wirkt. Zwar erfährt man in Rückblenden auch, wie das bei Harold und Janson war, aber es wirkt dadurch wesentlich lockerer und nicht stocksteif oder konstruiert, damit es auf ein paar Seiten aufgeht.

Da man sich ja bereits mittendrin befindet, ist es nicht verwunderlich, dass die zwei nicht nur ein Ehepaar sind, sondern sich auch genauso streiten. Diese herrlichen Zankereien zwischen ihnen, die beide einen sturen Dickkopf haben, zaubern während des Lesens immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.

Doch das ist noch nicht alles! Zwischen all dem Beziehungswust muss auch noch ein kleiner Kriminalfall gelöst werden, der für die nötige Spannung sorgt und eine Prise Ernsthaftigkeit mit in die Geschichte bringt. (Nicht, dass die Liebesgeschichte nicht ernsthaft ist - aber man kann ja nicht nur mit Herzchen in den Augen vor dem Buch/Reader sitzen ^^)

"Wie sollten die Hund denn überhaupt über den Zaun kommen?"
"Was weiß ich?! Vielleicht wirfst du sie rüber! Ich habe keinen blassen Schimmer, wie du es machst, aber ich weiß, dass du es tust! Um mir den letzten Nerv zu rauben!" (Position 899-901)

Ich will eigentlich gar nicht mehr viel über das Buch sagen, da man bei 125 Seiten schnell zu viel verraten hat. Besonders bei solch einer Geschichte wäre es wirklich schade drum! All die Kleinigkeiten, die süßen Momente und witzigen Frotzeleien muss man selbst lesen, um komplett in dem Charme der Geschichte versinken zu können.

Wie auch bei ihren anderen Geschichten schafft Tharah es wieder, mich mit ihrer Verwendung der deutschen Sprache zu erfreuen. Der Mix aus hochgestochen mit eher altertümlichem Sprachgebrauch und locker flockig, sorgt bei mir immer für Begeisterung und ein schnelles Vorankommen.


Fazit

Herzallerliebste Charaktere treffen wieder auf ein tolles Setting in Farefyr. Hier darf man die Liebe in vollen Zügen genießen und miterleben, wie zwei Menschen möglicherweise wieder zueinander finden bevor es zu spät ist.

Tharah Meesters außerordentliches Schreibtalent begeistert mich von Geschichte zu Geschichte mehr, so dass sie einen treuen Fan in mir gefunden hat.

Eine Leseempfehlung geht an alle, die kein Problem mit Homosexualität haben und gerne humorvolle Geschichten lesen.



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Ich danke Tharah Meester für dieses Rezensionsexemplar!
 
Folgenden Link kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung:

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1 Kommentar:

  1. Hey du Liebe!

    Das ist sooo eine süße Rezension, ich liebe sie (und das geniale Foto)! Da habe ich jetzt selber Herzchen in den Augen *lach*

    Sehr schöne finde ich auch deinen Aufruf zu mehr Akzeptanz und Inklusion. Es wird ja wirklich immer besser, doch ich glaube, da liegt trotzdem noch ein weiter Weg vor dem Ziel.

    Klasse, dass Janson und Harold dir gefallen haben <3

    Mit lieben Grüßen,
    Tharah

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