Montag, 5. Juni 2017

[REZENSION] "Die Krankheitensammlerin" von Kia Kahawa





Verlag: Selfpublisher I Leseprobe
Seiten: 211
Jahr 2016
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 10,99€
Meine Bewertung: 2/5
Kaufen?: Thalia I Amazon


Fiona würde gerne ein sorgenfreies Leben führen, doch das Schicksal scheint nicht auf ihrer Seite zu sein. Nachdem schon vor Jahren Depressionen, Selbstwertprobleme und körperliche Belastungen von ihr Besitz ergriffen haben, wird ihre ungewöhnliche Sammlung ergänzt: Sie hat eine kranke Schilddrüse. Bevor es noch schlimmer kommen kann, entscheidet sie, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen und ihr Leben radikal zu wenden. Pünktlich zum neuen Jahr soll alles anders werden. Doch Fionas Wandel wird ihr von Freunden, Familie und Kollegen nicht erleichtert. Im Gegenteil: Keiner hält es für nötig, die junge Frau zu unterstützen, sodass sie sich selbst helfen muss, um ihre Pläne durchzusetzen. Koste es, was es wolle. (Amazon)

"Als ich in deinem Alter war, brauchte ich noch keinen Arzt."

Es ist nun schon einen Moment her, dass ich dieses Buch gelesen habe. Ich habe es absichtlich etwas ruhen lassen, um meine Gedanken dazu zu ordnen. Habe ich in anderen Rezensionen doch gelesen, dass dieses Buch viele Leser zum Nachdenken anregt und einigen tiefe Einblicke gewährt hat, hat es mir leider nicht gefallen. Ich dachte ich könnte noch etwas Positives daran finden und wollte deswegen nicht übereilt eine Rezension verfassen - aber auch die Zeit konnte nichts an meiner Meinung ändern.

Doch warum hat es mir nicht gefallen? Klang es doch so vielversprechend, als die Autorin mich anschrieb um mir ihr Werk anzubieten. Ein Entwicklungsroman über eine junge Frau, die es nicht leicht im Leben hat. Neben ihrem Übergewicht leidet sie an Depressionen und Selbstwertproblemen. Dann erneut eine Diagnose: Schilddrüsenunterfunktion. Mit Übergewicht und einer nicht funktionierenden (und sich zersetzenden) Schilddrüse kenne ich mich aus - das könnte ein Büchlein für mich sein. So dachte ich zumindest.

Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, fiel mir auf, dass dieses Buch in eine völlig andere Richtung geht als ich dachte. Hatte ich mir vorgestellt, dass die Protagonistin Fiona die Zähne zusammenbeißt und ihr Leben meistert, so wurde ich doch enttäuscht. Denn leider geht Fiona ihre Probleme nicht an, sondern badet in Selbstmitleid um ein paar Seiten später in manisch-positiven Elan überzugehen. Nun kenne ich mich mit psychischen Krankheiten nicht genug aus um dies beurteilen zu können. Ist es realistisch oder von der Autorin überzogen? Das kann ich nicht sagen. Was ich aber sagen kann ist, dass mich das alles tierisch genervt hat.

Ich hatte mal eine Freundin, die ebenfalls psychische Erkrankungen hatte. Auch bei ihr gab es viele Dinge die ich weder verstehen noch nachvollziehen konnte. Nachdem wir einige Jahre befreundet waren und auch immer mal wieder Zeiten der Funkstille hatten, habe ich mir irgendwann gesagt 'Psychische Erkrankungen sind schwer nachzuvollziehen. So auch ihre Handlungen. Du musst sie nehmen wie sie ist und nicht alle Dinge hinterfragen.' Die Freundschaft zerbrach. Eben weil den Betroffenen oftmals der Blick auf die Realität fehlt. Fehler begehen nur die anderen und wenn doch mal etwas im eigenen Leben schief läuft, dann sind andere Menschen daran schuld. So ist das auch bei Fiona und leider zieht es sich durch das komplette Buch.

Hinzu kommt noch, dass ich Fiona absolut unsympathisch finde. Erst dieses ewige Selbstmitleid und die böse, böse Welt (mit den fiesen Menschen) und dann diese Euphorie und der Glaube ein besserer Mensch zu sein, weil man einem Obdachlosen seinen Gratisdöner überlässt. Mag sein, dass das typisch für ihr Krankheitsbild ist, aber mir hat das gar nicht gefallen und mich irgendwann nur noch genervt.

Was mir relativ schnell negativ aufgefallen ist, war eine Namensdopplung. Einige Namen sind doppelt vertreten, was für mich absolut unsinnig und ebenfalls wieder nervig gewesen ist. Noch dazu nennt sich der Obdachlose Thilo, obwohl er gar nicht so heißt. Fionas bester Internet-Freund allerdings heißt so. Zwischen den beiden Thilos besteht aber keine Verbindung - warum also sollte der Obdachlose sich ausgerechnet so nennen?
In einer Leserunde auf Lovelybooks lüftete die Autorin dann das Geheimnis darum. Der Sinn dahinter sei, dass Fiona nicht alles glauben und nicht so schnell urteilen solle. Fionas Gedanken zur Namensdopplung sollen ein Hinweis auf die thyreotoxische Krise sein, die sich entwickelt habe. Ja...soweit ich das mitbekommen habe, hat dies niemand in der Leserunde rauslesen können und diese Dopplungen haben mehr Verwirrung gestiftet, als auf irgendetwas hingewiesen. Liest man nun also das Buch ohne Teil dieser Leserunde zu sein, wird man nie erfahren was der tiefere Sinn dahinter sein soll ist. Da wäre ein Nachwort vielleicht ganz gut gewesen.

Dieses Buch hätte gut werden können. Das Potential war da, wurde aber nicht ausreichend genutzt. Bei dem was alles in diesem Buch passiert, hätte es drei oder vier Mal so dick sein müssen. Jeder Schritt, jede Entwicklung wurde viel zu schnell abgehandelt und nicht ausreichend Raum gelassen. Dafür, dass Fiona angeblich so vom Leben gebeutelt wurde, griffen die Dinge doch viel zu einfach und schnell ineinander über - und haben sogar noch funktioniert...klingt für mich doch mehr als unrealistisch.

Leider war dies ein Buch, das mich mehr genervt hat, als dass es mir gefallen hätte.
Viel zu kurz, viel zu verwirrt und unausgegoren wird es mir nicht lange im Gedächtnis bleiben.

Viele Leser hat dieses Buch zum Nachdenken angeregt und in irgendeiner Weise berührt. Meine Empfehlung daher: Wenn es euch interessiert, dann schaut mal in die Leseprobe rein um euch einen ersten Eindruck zu machen.



Ich danke Kia Kahawa für dieses Rezensionsexemplar!


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