Sonntag, 28. Mai 2017

[REZENSION] "Rauklands Sohn" von Jordis Lank





Reihe: Raukland Trilogie
Band: 1 von 3
Verlag: El Gato I Leseprobe
Seiten: 348
Jahr 2013
Ausgabe: Softcover
Preis: 12,90€
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Ronan ist Sohn des Königs von Raukland. Sein Vater ist der mächtigste Herrscher im Nordmeer: ein machtgieriger Mann, der sein Land von einem Krieg in den anderen führt. Ronan hat nie gelernt, das infrage zu stellen: Freundschaften sind ihm unbekannt und die einzige Liebe, die er kennt, gilt seinem Schwert. Doch dann fällt Ronan in Ungnade und wird auf die nordische Insel Lannoch verbannt. Das Eiland muss er einnehmen oder er verliert den Thron. Mit Waffengewalt ist das aussichtslos: Ronan braucht nicht nur einen Freund an seiner Seite, er muss auch die Achtung der Prinzessin von Lannoch gewinnen. Wie man das anstellt, kam in seinem Schwerttraining jedoch nicht vor. (El Gato)

"Was hast du getan?"
Der Schrei trieb durch seine bleierne Müdigkeit. Ein Schatten wuchs über ihm, Hände krallten sich in sein Haar und rissen seinen Kopf zurück.

Direkt zu Beginn befindet sich der Leser in einer unschönen Szene. Ronan, Sohn des Königs von Raukland, liegt betrunken in seinem Lager, wird aus dem Zelt gezerrt und zu einem Pflog gebracht. Ein Pflahl, der dazu dient, den Königssohn zu bestrafen. Zwanzig Peitschenhiebe verkündet sein Vater. Doch damit ist es nicht genug - Ronan wird auch noch gebranntmarkt wie ein Pferd.
Nach dieser ganzen Tortur befindet sich Ronan auf See. Denn sein Vater möchte, dass eine Insel in seinen Besitz übergeht und wer, wenn nicht Ronan, könnte als dritte Strafe mit dieser Aufgabe betraut werden. Es klingt gar nicht mal so schwer, denn immerhin will Merin Kendrick, König von Lannoch, seine Insel hergeben, wenn gewisse Aufgaben erfüllt werden. Doch diese Aufgaben haben es ziemlich in sich und die Lannocher sind ein merkwürdiges Volk. Und wo soll Ronan jetzt so plötzlich einen Freund hernehmen?

Dieses Buch hat mich innerhalb der ersten Seiten bereits in seinen Bann gezogen und mich auch über 380 Seiten später noch nicht losgelassen. Dass ich diese Trilogie weiterverfolgen und beenden wollen würde, war mir bereits nach nicht mal der Hälfte schon klar.

Ganz nüchtern und sachlich betrachtet ist die Grundidee der Geschichte weder neu noch außergewöhnlich oder spektakulär. Ein fiktives Königreich, möchte sich ein anderes fiktives Königreich einverleiben, die Autorin streut ein wenig Intrigen- und Liebespulver darüber und fertig ist es. ABER (!!!) diese Geschichte ist so toll geschrieben, dass sie zu etwas ganz Wundervollem heranreift und einschlägt wie eine Bombe.

Egal, ob es um das Stadtbild von Lannoch geht, das Bauen einer Weidenflöte, das Kämpfen mit einem Schwert oder einfach Ronan, der durch die Dünen streift - Jordis Lank beweißt ein ganz herausragendes Talent: Sie beschreibt alles so, dass ganze Filme von dem Gelesenen in meinem Kopf abliefen und ich mir jedes kleinste Detail vor meinem geistigen Auge vorstellen konnte. Genau dieser Umstand und die wunderbar ausgearbeiteten Charaktere machen dieses Buch so besonders.

Neben meinen Begeisterungsstürmen bezüglich des "Handwerks" der Autorin, soll auch die Geschichte nicht unerwähnt bleiben. Denn auch diese hat mich absoult gepackt und begeistert. Im Laufe der Zeit wachsen dem Leser bestimmte Figuren ans Herz und man leidet oder freut sich mit ihnen. Es ist schön mitzuerleben, wie der zu Beginn sehr raue und verschrobene Ronan sich irgendwann öffnet und Menschen an sich ranlässt. Das passiert sowohl für ihn, als auch den Leser so beiläufig, dass kein bestimmter Moment dafür ausgemacht werden kann, sondern es an Kleinigkeiten zu erkennen ist. Auch das spricht für das Schreibtalent!

Ein zusätzliches Zückerchen sind die Outtakes nach der Geschichte. Kennt man so etwas sonst vom Filmabspann im Kino, bei dem man dann eben doch nochmal sitzen bleibt um sich die verpatzten Szenen anzugucken, hat Jordis Lank lustige Schreibfehler angehängt. Besonders gut gefallen haben mir dabei:

Liam nickte so heftig, dass es in seinem Genick kackte und diesmal kam die Botschaft an.
(Seite 350)

"Liam ist das genaue Gegenteil von Ronan. Flink mit der Zunge, aber nicht mit dem Schwert, kommt er mit jedem klar, ist aber eine Haselnuss."
(Seite 350)
Hier hat sich die Autorin bei dem Wort "Hasenfuß" vertippt und die Rechtschreibprüfung machte aus dem "Haselfuß" die Haselnuss

Merin zog sein Schwert. "Niemand kämpft!", befahl er den Lannochern. "Niemand! Legt Eure Waffeln auf den Boden!"
(Seite 351)

"Es ist ein heiliger Eid. In Raukland sagen wir, dass ein Mann, der auf sein Blut schwört und den Schwur bricht, nicht wert ist, dass es in ihm fließt. Man tötet ihn und lässt ihn wie Schlachtvieh ausbluten. Seine Eingeweide werden anschließend an die Hunde verfüttert."
(Seite 72)

Ein ganz wunderbarer Fantasyroman, der ohne besondere Gaben, Drachen, Elfen oder Magie auskommt - aber trotzdem absolut zu begeistern weiß! Denn manchmal liegt der Zauber in einer Begegnung, die unser Leben für immer verändern kann.

Jordis Lank hat ein herausragendes Schreibtalent, das sowohl unglaublich bildlich, als auch an den richtigen Stellen aufbrausend wie ein Sturm, oder sanft wie ein laues Sommerlüftchen ist. Diese Mischung aus Atem anhalten und durchatmen können hat mich durchweg überzeugt!

Die zwei Folgebände werden definitiv noch in meinem Regal einziehen und mich hoffentlich genauso faszinieren können.





Reiheninfo

(1) Rauklands Sohn // (2) Rauklands Blut // (3) Rauklands Schwert



Ich danke Jordis Lank für dieses Rezensionsexemplar!


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Kommentare:

  1. LIebe Franzi,
    diese Reihe steht schon soo lange auf meinem Wunschzettel und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, warum sie noch immer nicht bei mir eingezogen ist! Bis jetzt habe ich nur ganz tolle Rezensionen dazu gelesen...wie auch deine!
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Liebe Martina,

      dann musst du mal zusehen, dass du sie dir besorgst ;-) Also ich kann jetzt (bisher) nur vom ersten Teil schwärmen, aber zumindest der tolle Schreibstil wird in den anderen beiden Teilen ja auch vorhanden sein ;-)

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