Freitag, 19. Mai 2017

[REZENSION] "Oma wird erwachsen" von Liv Jansen





Verlag: Mira Taschenbuch
Seiten: 300
Jahr: 2017
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,99€
Meine Bewertung: 5+/5
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Für ein Burn-out hat Oma echt keine Zeit!

Häkelkreis, Kirchenchor, Kaffeekränzchen mit den Nachbarinnen, dann noch die Tiere versorgen – Oma Edith ist ausgebrannt! Enkelin Isabell eilt ihr gemeinsam mit ihrem besten Freund, Kosmetiker Kalle, zur Hilfe. Oma muss dringend lernen, auch mal Nein zu sagen! Bald schmeißen Isabell und Kalle nicht nur im Alleingang den idyllischen Resthof an der Ostsee, sondern entwickeln auch eine höchst lukrative Antistress-Therapie für überarbeitete Großstädter. Der kleine Ort lebt richtig auf – doch ein hinterhältiger Grundstücksmakler versucht mit allen fiesen Tricks, sich Omas Hof unter den Nagel zu reißen …
(Harper Collins)

"Oh merde, merde!" Monique Bellini, die natürlich gar nicht so hieß, sondern Dagmar Kloppermann, schrie auf und warf den Kopf hin und her. "Oh, oh, mooooon dijööööööö!"

Isabell hat einen Job, den sie nicht mag und einen Chef, den sie hasst. Ihr bester Freund Kalle hat sich nach seiner Umschulung selbstständig gemacht und es läuft leider gar nicht. Als Isabells Oma Edith vor Erschöpfung zusammenbricht, schmeißen die beiden kurzerhand hin und flüchten von der Großstadt aufs Land. Was als Kurzurlaub und Oma-Unterstützung gedacht ist entwickelt sich sehr schnell zu einer neuen Lebensaufgabe.

Das Leben ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale!

So oder so ähnlich könnte der Untertitel dieses Buches lauten. Liv Jansen hat so viele Charaktere in die Geschichte eingebaut und bei fast jedem denkt man sich zwischendurch: "Du hast doch was am Dach!" Doch fast alle sind tatsächlich auf eine liebenswerte Art und Weise verrückt

Isabell (oder auch Klößchen - was nicht an ihrer Figur, sondern an einer Geschichte aus der Kindheit liegt) wurde auf der Arbeit von einem jungen Dummbrot mit großen Brüsten ersetzt. Deswegen wirft sie hin und will ihre Zeit lieber damit verbringen ihrer Oma zu helfen.
Kalle (von Oma Edith auch liebevoll Schwuppi genannt), Isabells bester schwuler Freund, der mit Schulden vor dem Nichts steht. Hochemotional und überdramatisch wandert er durchs Leben und sorgt dafür, dass man als Leser zwischendurch grinsend mit den Augen rollt.
Oma Edith, die patente Frau, die niemals nein sagt und die Arbeit von allen übernimmt. Zwischendurch einen großmütterlichen Rat verteilt oder dem ein oder anderen den Kopf mal wieder gerade rückt.
Dann natürlich alle Bewohner Seesteins, die Arzt-Brüder Hellberg und selbstverständlich die zahlenden Gäste der Großstädte, die von dem ungleichen Trio auf Trap gebracht werden wollen.
Doch da es nicht nur Helden geben kann, spielt auch der böse Grundstücksmakler keine unwichtige Rolle in der ganzen Geschichte.

Erwartet hatte ich eine lustige Frauengeschichte, die mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde und mir das ein oder andere Lächeln aufs Gesicht zaubern kann. Und genau das habe ich auch bekommen!

Es gibt Stellen in diesem Buch, die absolut realistisch sind und überall auf der Welt so passieren könnten. Aber es gibt auch einige Dinge (besonders gegen Ende), die so sicherlich nicht klappen würden. Doch auch wenn es hier und da unrealistisch und zu stark konstruiert war, die Dinge zu gut ineinander griffen und Personen stellenweise sehr überspitzt dargestellt wurden, hat dieser Roman gemacht, was er sollte. Er hat mich auf eine ganz wundervolle Art und Weise unterhalten und mitfühlen lassen!

Der Schreibstil ist sehr locker-leicht-fröhlich und lässt sich wirklich schnell lesen. Einmal angefangen fliegen die Seiten nur so vorbei. Dass der ein oder andere seinen Dialekt auch noch geschrieben bekommt, macht alles anschaulicher und realistischer.

Die "Hauptgeschichte" entwickelt sich in einem genau richtigen Tempo, das Ende allerdings ist etwas sehr schnell erzählt. Auch der Epilog hätte mehr gebrauchen können als knappe fünf Seiten. Da hätte aus 300 Seiten vielleicht 320 Seiten gemacht werden sollen, einfach um dem Ganzen am Schluss etwas mehr Raum zu geben. 

Es gibt auch ein Hörbuch, in das hineingehört werden kann.



Vor Martin war Isabell ein Jahr mit Christoph zusammen gewesen. Eigentlich eine schöne Zeit - aber Christoph war verheiratet, und als Isabell das herausfand, war es nicht mehr so schön.
(Seite 30)

Am schlimmsten aber waren Veganer. Sie gingen missmutig durch die Gänge und sahen immer blass und hungrig aus. [...] Das hatte Isabell nie verstanden: Wenn ein Veganer alles verachtete, was "mit Tieren und von Tieren" war, warum wollte er dann veganes Zwiebelmett, vegane Mortadella oder vegane Salami?
(Seite 31)

"[...] Hat irgendjemand schon mal eine Panikattacke gehabt? Bei mir gibt es jetzt Panikattackäsekuchen. Und Borderleinsamenbrot. Und Psychosemmeln. Und Therapiementkekse. Wir haben das gut durchdacht. Das ist eine Marktlücke."
(Seite 200)

Hach ich mag dieses Buch ♥ 

Es ist so ein locker-leichter Sommerroman für Frauen. Die Zielgruppe würde ich irgendwo zwischen 30 und 50 ansiedeln wollen. Man muss schon ein paar Dinge im Leben mitgemacht und durchgestanden haben, um gewisse Punkte nachvollziehen zu können. Da ist man mit 20 (meist) eher noch nicht angekommen. Und das ist absolut nicht negativ gemeint! Aber mit 20 sollte das Leben noch toll sein und man ist hoffentlich noch nicht mit Existenzkrisen konfrontiert worden

Es macht so einen Spaß Oma Edith, Isabell und Kalle (oder Klößchen und Schwuppi ^^) auf ihrem Weg zu begleiten. So eine Oma hätte ich auch gerne! Hoffentlich bin ich später mal so gut drauf wie Edith ♥


Ich danke dem Harper Collins Verlag für dieses Rezensionsesemplar!


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