Freitag, 31. März 2017

[REZENSION] "Wie die Viecher" von Marie Wigand





Reihe: Homali Sagina
Band: 1 von ?
Verlag: Selfpublisher
Seiten: 384
Jahr: 2016
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 11,99€
Meine Bewertung: 5+/5
Kaufen?: Thalia I Amazon



»Was ist los?«, fragte Monika besorgt
Caspar schluckte. Dann rang er sich zu einer abgehackten Antwort durch: »Sie wollen kastrieren. Sofort.«
 


Immer mehr Personen verschwinden spurlos aus Lindas Umfeld. Als schließlich sogar ihre geliebte Mutter wie vom Erdboden verschluckt ist, macht sie sich auf die Suche nach ihr. Eine Suche, die jedoch schnell in einem nicht enden wollenden Albtraum endet.
Auf dem Planeten Homali Sagina werden Menschen von Außerirdischen wie Tiere in enge, stinkende Käfige gesperrt und zur Gewinnung von Fleisch, Milch und Kleidung missbraucht. Menschen die gequält, ausgebeutet und geschlachtet werden, um die Gier einer überlegenen Spezies zu befriedigen.

Diese Geschichte spielt auf dem Planeten Homali Sagina, unendlich viele Lichtjahre von unserer Erde entfernt. Es handelt sich um ein etwas anderes Gedankenspiel für nervenstarke Erwachsene, die Mut und Lust auf eine neue Perspektive haben. Der grausame Alltag der Nutztiere wird auf den Menschen übertragen. Auf fast unerträgliche Weise wird einem bewusst was unsere Mitgeschöpfe jeden Tag durchleiden müssen. Dieser packende Psychothriller entführt in die tiefsten Abgründe der Menschheit!
(Amazon)


Michael schlenderte an der Mauer des Grundstücks vom alten Herr Petersilie entlang.

Hast du dir schon einmal überlegt wo genau dein Schnitzel herkommt oder wie sich die Kuh gefühlt hat, deren Milch du morgens über dein Müsli schüttest? Marie Wigand hat sich sehr genaue Gedanken darüber gemacht und den Spieß mal umgedreht.

Wie fühlen sich Menschen, wenn sie zusammen eingepfercht werden? Was halten sie wohl von Zwangsbefruchtungen und daraus resultierenden Schwangerschaften? Wie ergeht es einer Mutter, nach einer Woche von ihrem Baby getrennt zu werden und täglich Milch abgezapft zu bekommen? Wie fühlt es sich wohl an, wenn einem bei vollem Bewusstsein Haare ausgerissen und man "gerupft" wird?

Das Buch beginnt recht ruhig. Man lernt die ein oder andere Person kennen und erfährt einiges an Hintergrundgeschichte. Es startet so richtig, als erst Lindas Mutter und dann auch sie selbst entführt werden. Dann geht es allerdings auch Knall auf Fall.

Menschen werden in Massen in eigentlich viel zu enge Käfige gesperrt. Diese haben keinen Boden, sondern lediglich Gitter, unter denen alle Ausscheidungen durchfließen. Es gibt keine Toiletten, keine Betten, nicht einmal Kleidung. Gegessen und getrunken wird zu festen Zeiten - wer in der Zeit nicht genug bekommt hat eben Pech gehabt. Aufsässige Gefangene werden vor allen Augen aufgehängt und ausgeblutet. Lange Haare werden ausgerissen und eine Frau sogar halb skalpiert.
Immer wieder werden Zwangsbefruchtungen durchgeführt, Kinder ihren Müttern entrissen und Frauen an Milchpumpen angeschlossen. Mancher Mann wird bei vollem Bewusstsein kastriert und wieder andere fett gemästet, bis sie schließlich geschlachtet werden. Wer gesund ist, muss in einem Steinbruch arbeiten.

Damit habe ich einiges vom Inhalt erzählt und doch eigentlich fast gar nichts verraten. Es ist kaum zu glauben, was auf diesen nichtmal 400 Seiten passiert. Ich musste zwischendurch immer mal eine Pause machen, durchatmen und die ganzen Eindrücke auf mich wirken lassen.

Die Autorin schreibt äußerst plastisch. Jedes noch so kleine Detail konnte ich mir vor meinem inneren Auge vorstellen - auch wenn ich es gar nicht immer gewollt hätte.

Auch die einzelnen Personen werden alle wunderbar beschrieben. Unabhängig davon, ob man sie nun mag oder nicht. Außerdem werden alle Handlungen und Wandlungen schlüssig und verständlich erklärt. So begleitet man Linda beispielsweise durch einige emotionale Phasen. Das reicht dann von wütend aber hoffnungsvoll bis hin zu abgestumpft und fast schon resigniert.

Da es sich um ein mehr oder weniger offenes Ende handelt, war ich neugierig, ob ein zweiter Teil in Planung oder vielleicht sogar schon in der Mache ist. 
Momentan hat Marie erstmal genug von Grausamkeiten und schreibt an einem Fantasy-Roman. Allerdings ist eine Fortsetzung geplant. Der Erscheinungs- und Entstehungstermin steht allerdings noch in den Sternen.

Marie Wigand provoziert mit ihrem Buch ganz bewusst. Sie missioniert nicht, aber hält jedem Leser den Spiegel vor. Als würde sie sagen wollen: "Ich verurteile dich nicht dafür, dass du tierische Produkte konsumierst, aber geh mal in dich und mach dir bewusst, was das bedeutet und welche Konsequenzen dein Handeln hat."

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, darf nicht zart besaitet sein. Ein fester Magen und eine hohe Ekelgrenze sind hier absolut von Vorteil.
Außerdem darf man sich nicht persönlich angegriffen fühlen.

Eine Verfilmung dieses Buches würde ich mir unglaublich gerne mal ansehen - wobei das dann vielleicht doch zu viel des Guten wäre  



Ich danke Marie Wigand für dieses Rezensionsexemplar!

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