Mittwoch, 5. Oktober 2016

Aufreger der Woche


Am Montag war Feiertag, heute ist Mittwoch, ich habe diese Woche noch Semesterferien und trotzdem ist es passiert - ich musste mich aufregen!

Aufregen ist in diesem Fall eigentlich das falsche Wort...eher müde lächeln - aber trotzdem wertvoll genug um es mit euch teilen zu wollen #ichgebeuchalles

Wie ihr mittlerweile wisst, nehme ich unglaublich gerne an Leserunden teil. Der Austausch mit anderen über ein Buch - das mag ich. Man kann seine Sicht der Dinge schildern und bekommt Eindrücke und Ideen von anderen. Im besten Fall auch eine andere Sicht der Dinge, die man so gar nicht selbst bedacht hätte. Am liebsten mag ich die Runden, an denen auch die Autoren teilnehmen. Face to face quasi - super Sache! Dachte ich bis heute.

Ich hatte das Glück eine der Auserwählten zu sein, die einen erotischen SM-Roman aus dem Verlag mit den tollen passenden Lesezeichen lesen darf. Mein erster erotischer Roman war aus diesem Bereich (Zieh dich aus!) und spätetens seit Im Zentrum der Lust von Alissa Stone, bin ich dem Genre verfallen. Was habe ich mich gefreut auch hier wieder dabei sein zu dürfen! Das Buch kam, ich freute mich weiterhin #likeaSchnitzel Doch die Freude hielt leider nur bis gestern Nacht. Nach 106 Seiten war mir klar: Das ist definitiv kein Buch für dich. Aber hey, nicht jedes Buch ist für jeden Leser ein Hauptgewinn.

Meine Gründe, weswegen ich nicht sagen kann: "Das ist ein gutes Buch" offenbarte ich direkt in der Leserunde.Ich muss sagen, dass ich wirklich sehr selten auf Autoren getroffen bin, die wenig bis gar nicht mit Kritik umgehen können. Und ich rede hier nicht von "Ich finde dieses Buch irgendwie Doof"-Kritik, sondern von Dingen die mir missfallen, die ich aber immer sachlich begründe. Leider wusste ich nicht, dass bei dieser Leserunde bitte nur gelobt und gebauchpinselt werden sollte #meinFehler

Naiv wie ich war schrieb ich also muter drauf los. Dass viele Stellen für mich nicht schlüssig und unlogisch sind, es sich definitiv nicht um eine SuB-Dom-Beziehung handelt und die Protagonistin, anders als von ihrem "Dom" behauptet, eben keine gute Sub ist. Wie gesagt, immer sachlich und mit Bezug zu den jeweiligen Szenen. So mit den Oberknaller fand ich eigentlich, dass der "Psycho-Doc" der Protagonistin sagt, dass sie ihre Medikamente absetzen könne und er sich dafür VERBÜRGT!!! dass sie nie wieder krank wird und keinen psychotischen Rückfall erleiden wird. Diese Aussage ist grob fahrlässig und kein (guter) Arzt würde so etwas jemals sagen. Auch seine medizinische Fachangestellte, die sowohl Namen als auch Diagnose durch die gesamte Praxis brüllt, finde ich mehr als fragwürdig.

Ich dachte nun 'Nach deiner Meinung wurde gefragt, du hast sie sachlich Kund getan...alles schick'. Fehler. Grober Fehler. Denn anstatt mit mir in eine Diskussion oder zumindest Unterhaltung zu treten, nannte mich die Autorin "Süße" - was ich in diesem Fall gar nicht leiden kann! - und unterstellte mir, dass ich selten bis nie ein gutes Haar an Büchern lassen würde, mit solch einer Reaktion also schon gerechnet wurde. Ich muss ehrlich sagen, dass ich fast schon geschockt war, was mir da unterstellt wurde. Schaue ich mir meine Statistik an, bekamen 75 meiner Rezensionen 5 Sterne und nur 11 Bücher 1 oder 2 Sterne. Irgendwie scheint sie da eine andere Rechnung zu haben als ich. Außerdem wäre sie gespannt auf die Lektüre, die ich mal gut finden würde. Tja SÜßE...ich kann dir alleine schon 75 nennen, die ich wirklich toll bis stellenweise großartig finde! Zusätzlich wurde mir gesagt, dass ich wohl nicht erkannt hätte, dass es sich um ein ironisches Buch handle - gut, kann sein, dass sie das so sieht. Habe ich dann wohl nicht. Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass eine Peitsche und Handschellen noch keinen BDSM-Roman ausmachen und es in der Szene mit Sub und Dom um ganz andere Dinge geht.
Den absoluten Vogel hat sie dann tatsächlich mit einem Satz abgeschossen. Zitat: "Aber in Anbetracht der Tatsache, dass du das Buch geschenkt bekommen hast, dürfte der Verlust für dich ja nicht allzu groß sein." Frei nach dem Motto "Nem geschenkten Gaul..." oder wie soll ich das verstehen? "Beschwer dich nicht, du hast ja nix bezahlt" oder was?
Über ihren Hinweis, dass Geschmäcker verschieden sind, konnte ich dann nur müde lächeln. Selbst wohl nicht verinnerlicht? #Doppelmoral

Ich legte ihr meine Ansichten zu ihrem Kommentar dar und stellte ihre Kritikfähigkeit in Frage. Von ihr selbst kam bisher leider noch keine Reaktion, aber eine andere Leserin hatte wohl das Gefühl eine Lanze für die Autorin brechen zu müssen. Es wäre nachvollziehbar, dass sie für ihr Werk in Position gehen würde. Ja! Unterschreibe ich so sofort. Man soll absolut hinter dem stehen, was man macht. Aber man muss im Leben eben damit rechnen, dass nicht jeder Hurra schreit und man von allen Seiten Lob bekommt. Mir muss doch klar sein, dass nicht jeder meinen Geschmack teilt. Wie die Autorin ja auch selber sagte, Geschmäcker sind verschieden...
Desweiteren wurde ich von besagter Teilnehmerin auch darauf hingewiesen, dass es immerhin ihr Erstlingswerk sei und "Nobody's perfect". Ja gut, was soll ich dazu sagen? Ich bewerte ein Buch nach seinem Inhalt und eben nicht nach bereits vorangegangenen Büchern, oder halt auch nicht, und auch nicht nach dem Preis. Ist das verwerflich? Ich denke nicht.

Es zeigt sich, dass die Teilnehmer der Runde (also die, die sich bisher geäußert haben), nach eigenen Aussagen keine Ahnung von der SM-Thematik haben. Mir kommt es so vor, als wenn es der Autorin ebenso geht. Aber das ist nur eine vage Vermutung. Mir soll ja keiner sagen, dass ich Unwahrheiten verbreite. #sicheristsicher
Für mich persönlich ist dieses Buch bisher (Seite 159/254) eher eine Art "Mutti will mal was Unanständiges lesen - aber bitte nicht zu hart". Da gibt es dann zärtlichen Sex und zwischendurch mal einen Klaps auf den Popo. Analverkehr auf keinen Fall ach und Oral geht überhaupt nicht. Da weigert sich die ach so toll dienende Sub ganz strickt. Ein Codewort gibt es nicht, es wird geweint, der "harte Dom" bindet sie los und es wird gaaaaaaaaaaaaaaaaaanz zärtlich. 

Der Lieblingsmann sagte da ganz treffend: "Das hat mit Dom-Sub und SM nix zu tun. Das ist die Teenievariante wo sie stolz ist, dass er Ansagen macht und die Freundinnen ankommen 'Du bist ja krass'." Und ich sage euch...passender hätte es nicht sein können! Nur dass unsere Protagonistin über 40 ist und sie es ihrem übergewichtigen Mitbewohner erzählt, der offenkundig verliebt in sie ist.
Auch auf meine Vermutung, dass die Autorin sich nicht in der Szene auskennt, kam ein passender Spruch: "Ich kann auch nicht daherkommen und sagen 'Ich hab voll die Ahnung vom Auto schrauben...ich bin nämlich Auto-Bild-Abonnent.'" Nein, wir haben diese Zeitung nicht abonniert, aber es war ein schönes Beispiel. Ich habe übrigens seine Erlaubnis ihn zitieren zu dürfen

Um beim Buchthema Sex zu bleiben...ich sehe das mit ehrlichen Rezensionen und/oder Meinungsäußerungen in Leserunden ja so: Es bringt nichts nur Honig ums Maul zu schmieren, man muss auch mal Tacheles reden. Wenn einem Mann immer Orgasmen vorgespielt werden, weiß er auch nicht, dass er etwas falsch macht.

In disem Sinne wünsche ich euch eine schöne Restwoche. Wer mag, darf sich gerne dazu äußern. Auch Kritik stehe ich sehr offen gegenüber

Horrido und Waidmannsheil!







Kommentare:

  1. Oje :( ich bin der Meinung das es immer möglich sein sollte seine Meinung konstruktiv und angemessen äußern zu dürfen ohne das einem direkt jemand ins Gesicht springt. Wenn sich ein Autor beschwert über Rezensionen a la "das Buch ist doof weil..." sag ich ja nicht, aber ich bin der Meinung wer etwas veröffentlicht und damit der Masse zur Verfügung stellt - jetzt nicht nur auf Bücher bezogen - der muss damit rechnen das es nicht jedem gefällt. Ich bewerte selbst recht kritisch und bin immer der Meinung solange das alles konstruktiv bleibt, ist es mein Recht das auch so wiederzugeben. Ich hatte hinsichtlich meiner Wertungen noch nie Problem , schade das dir das passiert ist.

    LG

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  2. Jetzt verstehe ich das. Aber.. wenn sie das öffentlich in einer Leserunde getan hat, kann man nur hoffen, dass es nicht ähnlich-kritische Menschen wie du lesen. Denn: Damit macht man sich als Autor unbeliebt und das ist nicht gut.

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    1. Das war ja nicht alles :-D Da sind noch ganz andere Sachen gekommen. Das ging dann soweit, dass sie meinte, dass ihr morgen ein Telefonat mit dem Verlag bevorstünde. Seither kam nix mehr von ihr - man kann also munter spekulieren, wie dieses Gespräch verlaufen ist.
      Ich mach mich da nicht nass...ich habe mir (aus meiner Sicht) nichts vorzuwerfen, meinen "Job" gemacht und mich nicht merkwürdig dargestellt ;-)

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