Sonntag, 19. Juni 2016

[REZENSION] "Die Unglückseligen" von Thea Dorn

Titel: Die Unglückseligen
Autor: Thea Dorn
Verlag: Knaus
Seiten: 552
Jahr: 2016
Ausgabe: Hardcover
Preis: 24,99€
Die Molekularbiologin Johanna Mawet verfolgt kein geringeres Ziel als die Abschaffung der Sterblichkeit. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA begegnet sie einem leicht verkommenen Herrn undefinierbaren Alters, der glaubt, in Johanna den Teufel zu erkennen. Trotz dieses heiklen Beginns kommt sich das ungleiche Paar bald näher, und Johanna muss begreifen, dass sie es mit Johann Wilhelm Ritter zu tun hat, einem Physiker aus der Goethezeit, der 1776 in Schlesien geboren wurde. Kann er ihr helfen, das Geheimnis des ewigen Lebens zu ergründen? Und wer verbirgt sich hinter der altertümlich anmutenden Erzählstimme, die Johanna und Ritter bei ihrem Kampf um letzte Wahrheiten so leidenschaftlich anfeuert? Hat am Ende doch der Teufel seine Finger im Spiel?

Dein verzweifelt Herz hat dir's verscherzt.



Ach ja...was hatte ich mich so darauf gefreut. Das Cover sprang mir sofort ins Auge und auch die Geschichte versprach eine wirklich gute und interessante zu werden - doch es war leider nicht meins.

Johanna Mawet, Kämpferin für die Unsterblichkeit, trifft auf Johann Wilhelm Ritter, geboren am 16.12.1776 und gestorben am 23.01.1810. So dachte man zumindest! Denn Thea Dorn schaltet die Sterblichkeit ebenfalls aus und lässt Herrn Ritter weiterleben. Seinen Tod nur vorgetäuscht überlebte Ritter seine Familie und seine Freunde, lebt verlottert und unfähig im 21. Jahrhundert.
Und da ist auch direkt schon der erste Punkt, der mich stört. Ritter soll es über 200 Jahre nach seinem Tod nicht geschafft haben sich etwas anzupassen? Alleine durch seine Sprache ist er im alltäglichen Leben doch absolut auffällig Außerdem würde ich behaupten, dass ein Physiker, also ein Mann der Wissenschaft, doch wesentlich interessierter an den ganzen Neuerungen sein müsste. Doch würde er nicht ein Hawaiihemd tragen und als Tütenpacker in einem Supermarkt arbeiten, könnte man denken, dass er einfach mit einer Zeitmaschine ins Jetzt geliefert wurde und keine Ahnung hat was um ihn herum passiert.

Da haben wir also nun Johanna, die "zeitgemäß" spricht und denkt, Johann, der irgendwo in seiner eigentlichen Zeit steckengeblieben ist und den Teufel, der auch ziemlich altertümlich und geschwollen daherkommt. Prinzipiell finde ich es wirklich gut, wenn ein Autor sich Mühe gibt und nicht nach Satzbausteinen und Gossensprache arbeitet, aber dieses ewige Hin und Her zwischen den Charakteren und damit verbundenen Sprachstilen hat meinen Lesefluss doch sehr gestört. Deswegen kam ich nur sehr langsam voran und habe (gefühlt) ewig an diesem Buch gelesen

Unter dem Klappentext und in anderen Rezensionen wird oft der Vergleich mit Faust gezogen. Nun muss ich zugeben, dass ich einer von den wenigen bin, die damit ihr ganzes Leben verschont geblieben ist Ich musste NIE Faust lesen und werde es vermutlich auch nicht tun Deswegen kann ich dazu nichts sagen.

552 Seiten bei einem Hardcover sind schon nicht wenig - und so viele hätten es auch nicht sein müssen. Zwischendrin kamen immer wieder Szenen, die auch gut und gerne auf 10+ Seiten hätten verzichten können. Dadurch gab es einige Längen, die das Buch noch länger wirken ließen.

Die Geschichte an sich war nicht uninteressant, aber für mich leider nicht so bombastisch wie ich erhofft hatte. Neben meinen "Kritikpunkten" wurde ich auch mit den Charakteren leider nicht so richtig warm. Den Epilog würde ich mir wegwünschen, da er mir das Ende (bei dem ich Pipi in den Augen hatte ) etwas zerstört hat! 


Hier noch ein kurzes Video mit Thea Dorn über "Die Unglückseligen". Auch wenn mich das Buch nicht überzeugen konnte, ist mir die Autorin unglaublich sympathisch!



Ehe sie diesen vorwurfsvoll auf dem Tische ausbreiten konnte, erhaschte er einen Blick auf den angebissenen Apfel, der inmitten des silbernen Deckels prankte, und erschrak noch mehr. Immer öfter hatte er in den vergangenen Jahren dies rätselhafte Zeichen entdeckt [...] War auch Johanna Mitglied in diesem Apfelbund?
(Seite 119 - es geht dabei um einen Laptop, somit um die Marke Apple)

Ein Buch, dass so wunderbar hätte sein können, mich aber leider nicht vollständig überzeugen konnte. Das Thema war toll, die Umsetzung leider nicht mein Fall.
Allerdings kann ich nachvollziehen, dass es anderen Lesern unglaublich gut gefällt, da die Autorin hier viel mit der deutschen Sprache spielt.



Ich danke dem Knaus Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen