Samstag, 21. November 2015

[Rezension] "Wir sind unsichtbar" von Maike Stein





Verlag: Oetinger
Seiten: 192
Jahr: 2015
Ausgabe: Softcover
Preis: 8,99€
Meine Bewertung: 5/5 I Rezension
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Wenn du mich wirklich liebst ...

Sie kribbelt wunderbar. Sie lässt den Himmel noch blauer aussehen. Sie gibt einem das Gefühl, Berge versetzen zu können – die erste Liebe! Und Valeska könnte ganze Gebirge verrücken! Nicht so Inken, ihre neue feste Freundin. Nicht mal einen kleinen Stein möchte sie ins Rollen bringen, denn niemand soll wissen, dass Inken lesbisch ist. Ihre Liebe soll unsichtbar bleiben. Um Inken zuliebe die Beziehung geheim zu halten, verstrickt sich Valeska immer mehr in Lügen, bis sie eine Entscheidung treffen muss: für oder gegen Inken. (Verlag)

Erster Satz

Leska's Life: Mein Leben mit dem Coming-out
Notizen aus der Realität. Aktuelle Haarfarbe: blau & silber

Meine Meinung

Homosexualität ist auch heutzutage leider immer noch viel zu oft ein Tabuthema. Viele Menschen trauen sich nicht an ein Outing heran, weil die Konsequenzen leider oft schwerwiegend sind.
Manch einer wird von der Familie und den Freunden gemieden, andere bekommen Schwierigkeiten im Berufs- und Alltagsleben. Ein männlicher Friseur muss ja definitiv schwul sein und eine Frau bei der Bundeswehr oder in einer Autowerkstatt kann ja nur lesbisch sein. Hingegen sind alle Fußballer, Polizisten und Feuerwehrmänner heterosexuell - denn das ist Arbeit für ECHTE Männer.

Es ist wirklich traurig, dass ein Großteil der Menschheit noch immer so denkt. Homosexualität ist genauso normal (oder unnormal) wie Heterosexualität. Das macht keinen Unterschied. Verschiedene Sexualitäten gibt es schon so lange es Menschen gibt und ist auch in der Tierwelt sehr weit verbreitet. Es handelt sich dabei nicht um eine Krankheit und muss nicht therapiert oder geheilt werden!
 
Da es in meiner Familie schon immer Homosexuelle gab, wurde ich sehr früh mit diesem Thema konfrontiert und es stellte sich mir nie die Frage, ob das irgendwie komisch oder sogar abartig ist. Ein Mensch ist ein Mensch und man mag ihn oder eben nicht. Egal ob dieser Mensch nun Männer oder Frauen liebt. Es sollte sich auch niemand dafür rechtfertigen müssen, welchem Geschlecht er zugetan ist.
Niemand stellt sich vor: "Ich bin Hans und heterosexuell", aber wenn irgendwann jemand erfährt, dass dieser oder jener Mensch lesbisch oder schwul ist, ist das Geschrei groß und die Frage nach dem "Warum hat er/sie das nicht gesagt?" wird gestellt.

Ich kann euch sagen warum - weil es pupsegal ist!
Nehmt die Menschen wie sie sind und macht Sympathie nicht an der sexuellen Orientierung fest!

Valeska ist 16 Jahre alt und outete sich bereits vor 2 Jahren. Nachdem ihre Mutter sie vor die Tür gesetzt hat, da sie um das Wohl ihrer jüngeren Tochter besorgt war, hat Leska bei ihrem Vater Unterschlupf gefunden. Will sie ihre Schwester sehen, dürfen diese Treffen nur unter Aufsicht stattfinden. Bis auf ihre Mutter hat in Leskas Umfeld eigentlich niemand so wirkliche Probleme mit ihrer Homosexualität.

Sie betreibt einen kleinen "Lesben-Blog" (bitte nicht falsch verstehen), in dem sie über ihr Outing und ihr Leben als noch ungeküsste Lesbe schreibt. Dieser wird angenehm ins Buch eingebunden und lockert die Geschichte noch etwas auf. Dass sie ungeküsst ist, soll sich auf einer kleinen Party ändern. Flaschendrehen. Eigentlich fühlt sie sich zu alt für diesen "Kinderkram" doch ändert ihre Meinung schnell, als es zu einem Kuss zwischen ihr und Inken kommt. Plötzlich ist alles anders zwischen den beiden und die vorher langweilige Inken wird schnell interessant. 

Die beiden Mädchen verlieben sich ineinander und treffen sich heimlich zum Knutschen - denn Inken will diese Liebe geheimhalten. Das tut sie aus einem bestimmten Grund, den sie Leska erst nach und nach anvertraut. Diese Heimlichtuerei ist für Leska sehr belastend. Sie würde es am liebsten laut rausschreien und jedem davon erzählen, doch verstrickt sich immer mehr in Lügen deswegen und kann sich nicht mal ihrer besten Freundin anvertrauen. 

Welches Gehemnis umgibt Inken? Kann eine heimliche Liebe bestehen? Und was wäre, wenn sie es doch öffentlich machen würde?
 
Maike Stein hat ein wirklich schönes Jugendbuch über Outing und "Anderssein" verfasst. Es geht um die erste Liebe, Lügen und Geheimnisse, Homophobie und Freundschaft. Leider ist das Buch etwas kurz gekommen und die Geschichte hätte noch ein paar Seiten mehr vertragen können. Ab der Mitte passiert so unglaublich viel, was viel zu schnell abgehandelt wurde. Auf meine Nachfrage sagte die Autorin, dass die Seitenzahl vom Verlag vorgegeben war und sie das Maximum ausgeschöpft habe. 

Die Handlungen der einzelnen Charaktere sind altersgemäß und nachvollziehbar. 

Textstellen
 

Das wäre zu verrückt. Schmerzhaft. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert und so. Na ja, viele von uns. Bei manchen ist das immer noch nicht angekommen [...].
(Seite 57)

Inken sitzt ganz in sich zusammengesunken da. "Ich geh dann wohl besser auch."[...]
"Quatsch." Ich stupse sie leicht gegen die Schulter. "Dich behalte ich hier."
"Sicher?"
"Wieso sollte ich unsicher sein?"
(Seite 96)

Eine Ein-Frau-Armee will ich sein, eine Rächerin, die ihnen Verstand einbläut, in der Sprache, die sie verstehen.
(Seite 102) 

Fazit

Ein Buch über Homophobie, Liebe und Freundschaft, dass mehr Seiten gebraucht hätte, was vom Verlag aber nicht gewünscht war. 

Insgesamt fand ich es allerdings wirklich extrem gut und spreche eine Leseempfehlung aus! 


Ich danke dem Oetinger Verlag für dieses Rezensionsexemplar! 

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