Sonntag, 20. September 2015

[REZENSION] "Affenbruder" von Kenneth Oppel

  Fakten

 

Titel: Affenbruder II Autor: Kenneth Oppel II Verlag: BELTZ & Gelberg II Jahr: 2015 II Seiten: 439 II Preis: 17,95 € (gebundene Ausgabe) II Mehr Infos


Ich danke dem BELTZ & Gelberg Verlag und Lovelybooks für dieses Rezensionsexemplar und die Leserunde!

Klappentext


Weil seine Eltern Hals über Kopf umziehen, um das Schimpansenbaby Zan aufzunehmen, ist sich Ben sicher: Seine Familie ist die verrückteste der Welt!

Zan soll im Rahmen eines wissenschaftlichen Experiments die Zeichensprache erlernen. Während Zan für den Vater ein Projekt bleibt, baut Ben eine Beziehung zu dem kleinen Schimpansen auf. Er betrachtet ihn zunehmend als seinen "richtigen" Bruder. Als das Projekt scheitert und der Vater Zan aufgibt, erlebt Ben die gnadenlosen Folgen von wissenschaftlichen Versuchen...

Erster Satz


So haben wir Zan bekommen.


Cover



Das Cover ist wirklich sehr zurückhaltend gestaltet, kommt aber mit dem Wenigen was es hat aus, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Auf gelbem Grund sind Vater, Mutter und Sohn zu sehen, die ein wenig an die Schilder erinnern, die auf öffentliche Toiletten hinweisen. Sie halten sich an den Händen und wären absolut unspannend, wenn der Sohn nicht einen Affen an der Hand halten würde, der so gar nicht in dieses Bild zu passen scheint.
Ebenso wie diese Figuren ist auch das Wort "Bruder" in rot gehalten, was eine verbindende Brücke zu dem Bild schlägt.

Meinung


In meinem Regal bei den VHS-Kassetten (wisst ihr jungen Hüpfer überhaupt noch was das ist? ^^) steht ein Film dabei, an den ich sofort denken musste, als ich den Klappentext las. Dieser Film ist von 1985 und trägt den Titel "Unser neuer Bruder".
In diesem Film kommt durch einen Unfall ein Orang-Utan auf eine Farm. Dieser Affe kann die Zeichensprache und der taubstumme Sohn der Farmbesitzer ist somit in der Lage, sich mit ihm zu unterhalten, was eine sehr innige Freundschaft mit sich bringt. Natürlich ist in dem Film nicht alles rosig, aber mehr würde an dieser Stelle zu weit führen. Solltet ihr die Möglichkeit haben an den Film zu gelangen, dann schaut ihn euch an - ich habe ihn als Kind wirklich geliebt!
Warum ich euch das nun erzähle? Na weil die Grundthematik prinzipiell dieselbe ist.

Bens Eltern sind Wissenschaftler und Ben ist an einige merkwürdige Dinge gewöhnt, doch als sie plötzlich umziehen um ein Schimpansenbaby bei sich aufzunehmen, ist das selbst für ihn irgendwie verrückt.

Zan wird in Gefangegenschaft geboren und ist erst acht Tage alt, als er seiner Mutter entrissen wird. Es ist bereits das zweite Mal, dass ihr das angetan wird. Dies zu lesen ist wirklich nicht schön, aber es ist nunmal so. Genau so wird vorgegangen um an Tierbabys für Experimente und Versuche zu kommen - das ist leider die Realität. Und auch wenn dieses Buch in den 1970er Jahren spielt, hat sich bis heute nichts daran geändert.

Zu Beginn ist Ben gar nicht begeistert, dass er nun einen "Bruder" hat. Wie das eben immer so ist bei Einzelkindern, die ihre Eltern viele Jahre (in Bens Fall sind es 13) für sich alleine hatten, ist er eifersüchtig und wütend, dass da jetzt plötzlich ein (Affen)Baby ist, dass die komplette Aufmerksamkeit der Familie auf sich zieht. Doch dies ändert sich schnell, Ben akzeptiert Zan und fängt an ihn zu lieben und sich um ihn zu sorgen. 

Das Verhältnis der beiden wird schnell sehr innig und ist unglaublich schön mitzuerleben. Doch auch wenn Zan einen sehr großen Platz in Bens Leben einnimmt, ist er nicht alles worum es sich dreht. Ben kommt auf eine neue Schule, findet Freunde, hat Auseinandersetzungen mit manchen Teenagern, verliebt sich und muss durch seinen ersten Liebeskummer. 
Unter dem Gesichtspunkt, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, finde ich es richtig und wichtig, dass es eben nicht nur um Zan geht. Für viele junge Menschen wäre dieses Buch sonst sicher zu sachlich und langweilig. Durch Bens Leben neben Zan können sie sich sicher besser mit ihm identifizieren und einen Draht zu ihm aufbauen. Mich persönlich hat es allerdings an manchen Stellen etwas gestört und ich hätte mir gewünscht, dass das Thema "Affe" und alles drumrum besser beleuchtet worden wäre - allerdings bin ich auch eher nicht die eigentliche Zielgruppe ;-)

Als das "Projekt Zan" zu scheitern beginnt und nicht die erhofften Resultate bringt, wird Zan von der Universität, für die Bens Vater arbeitet, verkauft.
Für Ben bricht eine Welt zusammen und das sowieso schon sehr angespannte Verhältnis zu seinem Vater droht endgültig zu kippen. War Zan doch zwei Jahre lang sein Bruder und wurde aufgezogen wie ein Mensch, muss Ben ihn nun gehen lassen und mitansehen, wie Zan zu anderen Artgenossen gebracht wird. Doch wenn ein Tier denkt, dass es ein Mensch sei, wird die Vergesellschaftung mit Artgenossen schwierig, ja gar unmöglich. Als Ben und seine Mutter erfahren, dass Zan, entgegen der Abmachungen, an ein biomedizinisches Labor verkauft werden soll, fassen sie einen Entschluss - SIE MÜSSEN ZAN WIEDER NACH HAUSE HOLEN!

Doch ist es so leicht wie gedacht oder wird Zan nun eben doch zu einem Laboraffen, an dem Tierversuche ausgeübt werden?

Dieses Buch rüttelt auf und erschüttert. Es regt zum Nachdenken an und bewirkt, dass man über Dinge nachdenkt, die man so weit von sich geschoben hat.
  • Ist es wirklich richtig Tierversuche zu machen um den Menschen zu helfen? 
  • Ist ein Menschenleben wertiger als das eines Tieres? 
  • Würdet ihr wollen, dass an eurem Haustier, das zum Familienmitglied wird, Cremes oder Medikamente getestet werden um eure Pickel verschwinden zu lassen oder eurem Nachbarn das Leben zu retten?
Tierversuche und ihr Nutzen sind ein Thema, über welches man monatelang diskutieren könnte, ohne zu einem endgültigen Ergebnis zu gelangen. Ebenso wie generelle Tierhaltung oder Fleischkonsum.
Niemand soll nach diesem Buch zu einem Weltverbesserer werden oder Protestmärsche gegen Lobore oder Ställe anführen, aber es ist unsere Pflicht als Menschen uns über die Schwächeren Lebewesen Gedanken zu machen, in uns zu gehen und gewisse Dinge bewusster wahrzunehmen. 
  • Muss es die Schminke der Firma sein, die zugibt Tierversuche zu machen? 
  • Müssen wir in den Zirkus gehen und uns von gequälten Tieren aufheitern lassen? 
  • Muss es wirklich jeden Tag Wurst und Fleisch sein?

Zitate / Textstellen


Er durfte kein Schimpanse sein. Er musste ein Mensch sein.

(Seite 61)


Für mich war er nicht Gegenstand eines Experiments oder ein berühmter Schimpanse. Für mich war er einfach mein kleiner Bruder, mit dem ich herumalberte.
(Seite 135)

Zan war noch nicht mal ein Jahr alt, und Dad wollte, dass er eine ganze Stunde am Tisch saß? Aber ich hätte eigentlich nicht überrascht sein sollen. Es war Zan nicht erlaubt, einfach nur Zan zu sein. Er musste Unterlagen und Daten produzieren.
(Seite 146)

"Dann lass ihm mehr Zeit", sagte ich. "Er ist erst anderthalb Jahre alt! Du hast gesagt, es solle über Jahre gehen. Wieso soll er denn jetzt so schnell lernen? Vielleicht ist er wie ich ein langsamer Lerner." Ich schrie jetzt. "Wie schlau muss er denn sein, bevor du ihn lieben kannst?"
(Seite 278)

"Das ist doch lächerlich", antwortete Dad. "Du redest über Zan, als wäre er ein Mensch."
(Seite 288)

 

Fazit


Ein (Jugend)Buch, dass aufrüttelt und bewusst macht, welche Schweinereien mit Tieren getrieben werden. Je nach Alter würde ich allerdings empfehlen dieses Buch mit den Kindern zusammen zu lesen, da die Thematik sonst sicherlich überfordern kann.
Eine ganz klare Leseempfehlung für Menschen, die der Wahrheit ins Auge blicken wollen - aber die Taschentücher nicht vergessen! Es wird sehr emotional.
 

Bewertung


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen