Montag, 28. September 2015

[REZENSION] "Die Wächter" von Nora Melling

Fakten

 
Titel: Die Wächter II Reihe: Schattenblüte II Band: 2 II Autor: Nora Melling II Verlag: Rowohlt II Jahr: 2012 II Seiten: 315 II Preis: 14,95 € II Mehr Infos

Band 1: Die Verborgenen

Klappentext


Silvester in Berlin. Noch einmal sind Luisa und Thursen zurückgekehrt in den Wald. Dorthin, wo ihre Liebe begann, als Thursen noch ein Werwolf war. Luisa möchte den Tod ihres Bruders hinter sich lassen, endlich wieder glücklich sein. Doch die Vergangenheit holt sie ein: Während überall ausgelassen gefeiert wird, stoßen sie auf eine übel zugerichtete Leiche. Thursen weiß sofort: Dafür ist einer der Wölfe aus seinem alten Rudel verantwortlich. Während er immer öfter im Wald verschwindet, bleibt Luisa allein zurück. Dann lernt sie Elias kennen. Ist ihre Liebe zu Thursen stark genug?
Luisa ahnt nicht, dass Thursen und Elias ein schreckliches Geheimnis verbindet ...

Erster Satz


Besser noch als der Tod ist das Leben.

Cover


Das Cover von Band 2 ist ebenso schön wie das von Band 1, allerdings durch die hellen Farben etwas weniger mysteriös.
Auch hier sind wieder eine Art Wassertropfen auf den Blüten, die ertastet werden können.
Aus dem "soften" Hardcover ist nun ein Taschenbuch geworden. Das ist zwar ein bisschen schade, aber immerhin passen sie trotzdem durch Größe und Gestaltung des Buchrückens zusammen :-) 

Meinung


Luisa und Thursen feiern Silvester. Nach den ganzen Vorfällen im letzten Jahr (unter anderem Thursens Zurückverwandlung in einen "vollständigen" Menschen) schwören sie sich nochmal von vorne anzufangen und in ein gutes neues Jahr zu gehen. Keine Geheimnisse, keine Toten, nur noch Thursen und Luisa.

"Wir fangen neu an, okay?", flüstert er. "Kein Sterben mehr, kein Verstecken, keine schwarzen Gedanken. Nur vorwärtsgucken."
(Seite 10) 

Und Luisa glaubt ihm. Will ihm glauben. Kann gar nicht anders als ihm zu glauben, nach den ganzen Dingen, die sie in ihrem kurzen Leben schon ertragen musste. Doch scheinbar hat sie bereits eine Vorahnung, dass in ihrem Leben nicht alles gut laufen kann.

Und das Wunder ist passiert. Wir lieben uns immer noch. Mehr noch als zu Beginn.
Ob er das genauso sieht? "Bereust du, dass du dich von mir hast zurückverwandeln lassen?"
"Fragst du das wirklich?", raunt er und streift meinen Nacken mit seinen Lippen, dass ich eine Gänsehaut bekomme. "Was ist denn ein verdammtes Wolfsleben gegen ein Leben mit dir?"
(Seite 48)

Doch warum hat Thursen dann immer weniger Zeit für Luisa und lässt sie immer öfter allein? Nimmt weder Anteil an ihrem Leben, noch lässt er sie in seines. Trotz des Versprechens hat Thursen mehr Geheimnisse vor ihr, als noch im letzten Jahr. Schnell wird auch Luisa klar, dass sie dieses Verhalten dem Wolfsrudel zu verdanken hat, dass seit Thursens Rückverwandlung von Norrock geführt wird und stetig wächst.

So sehr wie ich Thursen und Luisa im ersten Band geliebt habe, umso mehr gehen sie mir hier auf den Keks. Die beiden hatten so eine schöne Liebesgeschichte in Band 1, die hier nicht  so fortgeführt wird.
Dieses Ewige Hin und Her, mal ist Thursen da, dann steht Luisa wieder allein vor allem, dann liebt sie ihn, dann hasst sie ihn - dieses Ja-Nein-Ding hat mich schon ein bisschen genervt, wenn ich ehrlich bin. 
Auch Thursen gefiel mir im ersten Band besser als jetzt. Er ist nicht mehr so liebevoll und besorgt was Luisa betrifft, seine Treue und Loyalität gilt jetzt nur noch dem Rudel. Ich bezweifle nicht, dass er sie liebt und er sorgt sich auch um sie - aber eben nicht mehr kontinuierlich. Vorher war er Luisas Leben, nun ist er nicht mal mehr ein Teil davon...und das liegt weiß Gott nicht an ihr.
Luisa hingegen wird selbstbewusster, geht ihren Weg (teilweise) auch ohne Thursen und wirkt wesentlich erwachsener als noch im ersten Teil.

"Ich hasse es, dass du nie da bist. Ich hasse, dass ich nicht weiß, was du tust im Wald. Und nicht, in welcher Gefahr du bist."
"Ich liebe dich."
[...]
"Ich bin vorsichtig. Und ich denke an dich, immer."
"Dann bist du morgen wieder weg, oder?"
"Ja." Kommt es von ihm, schon im Halbschlaf. "Aber ich komme wieder, Luisa, Immer wenn ich gehe, komme ich zurück."
(Seite 185)

Und dann tritt ein anderer Mann in Luisas Leben. Elias. Lange Zeit weiß sie nicht, was genau er ist und er nicht, mit wem sie sich umgibt.
Da Luisa recht einsam und Thursen nicht präsent ist, hat Elias leichtes Spiel Luisa näher zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Erst als es fast zu spät ist stellt sich heraus, das Elias und Thursen eine gemeinsame Vergangenheit haben - auf die ich hier aber nicht näher eingehe ;-)

"Und jetzt? Was soll jetzt werden? Bleibst du hier? Für wen von uns entscheidest du dich, Elias oder mich?"
"Was ist das denn für eine Frage?"
"Ist das denn so schwer zu verstehen? Er will dich, ich will dich."
(Seite 221)

Ich persönlich mag Elias sehr. Er ist für Luisa da, was man von Thursen nicht behaupten kann, will nur ihr Bestes und hält sie von jeder Gefahr fern. Elias ermutigt Luisa auch mal über ihren Schatten zu springen und Dinge zu tun, die sie sich vorher nicht getraut hat. Man bekommt das Gefühl, dass er sie wieder zum Leben erweckt.
Er ist quasi der Tag und Thursen die Nacht. 

Immer wieder wird Luisa von Träumen und Gedanken an ihren Bruder gequält, die sich zu real anfühlen um nur ein Hirngespinnst zu sein. Als Norrock ihr eine Möglichkeit vor Augen führt, wie sie wieder auf Fabi treffen kann, willigt sie schnell ein - auch wenn Thursen ihr davon abrät.

Beim Showdown geraten Elias und Thursen aneinander und es passiert etwas, was niemand der Beteiligten je gewollt hätte. Damit hat das Buch auch einen wahnsinnigen Cliffhanger, weshalb ich mir schnellstmöglich Band 3 besorgen muss!

Der Schreibstil ist wie auch in Teil 1 sehr flüssig und alles wurde so gut beschrieben, dass man sich als Leser von allem ein Bild im Kopf machen kann.

Auch in desem Band liegt mein Kritikpunkt wieder bei den Eltern. Sowohl bei Luisa als auch bei Thursen interessiert es niemanden so wirklich, dass die zwei tagelang verschwunden sind. Auch wenn es sich hierbei um Fantasybücher handelt, ist das doch etwas sehr unrealistisch.

Zitate / Textstellen


Mein Versuch, ein normales Leben zu führen, ist wie Glas zerbrochen in scharfe, spitze Splitter. Splitter, an denen sich die Seele die Haut aufschneidet. Es tut so weh. Verfluchter Thursen!
(Seite 80)
 
Er weint, schreit mich an. Macht mir Vorwürfe, dass ich ihn allein lasse, immer allein. Dabei ist er doch tot. Weiß er das denn nicht?
(Seite 141)
 

Und dann umarmen wir uns, und es fühlt sich wie Freundschaft an. Wie tiefe, vertraute Freundschaft.
"Vertraust du mir?", flüstert er.
Ich nicke und weiß nicht, ob er es sieht. "Und du mir?"
"Ja", sagt er. Flüstert nicht. Er ist tatsächlich verrückt genug, es zu tun.
 (Seite 234)  

Fazit


Im Vergleich zum ersten Teil, hat dieser Band seine Mystik, Zartheit und Unschuld verloren. Nun steht nicht mehr die Trauer um einen geliebten Menschen im Vordergrund sondern Treue, Loyalität und Vertrauen.

Die Geschichte ist mit seinen Darstellern erwachsener geworden und geht einen anderen Weg, ohne jedoch die Trauer völlig auszumerzen.

Für mich persönlich hat die Geschichte an manchen Stellen ein paar Schwächen aufgewiesen und ein paar schöne Dinge aus Band 1 verloren, aber auch einige gute Ansätze hinzugewonnen. 

Diese Trilogie ist definitiv lesenswert! 
 

Bewertung


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