Freitag, 3. Juli 2015

[REZENSION] "Die Verborgenen" von Nora Melling

Titel: Die Verborgenen
Reihe: Schattenblüte
Band: 1 von 3
Autor: Nora Melling
Verlag: Rowohlt
Seiten: 348
Jahr: 2010
Ausgabe: Hardcover
Preis: 14,99€

(1) Die Verborgenen
(2) Die Wächter
(3) Die Erwählten
Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. SIe beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die "Verborgenen" können ihre Gestalt ändern: Sie sind Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier - und die Erinnerung an sein früheres Leben verblasst. Bald wird er ganz Wolf sein, dann hat Luisa ihn verloren. 

Für ihre große Liebe würde Luisa alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?

Das einzig Gute an Berlin ist, dass man untertauchen kann.

Oh my, wo fange ich nur an? 

Ich hatte dieses Buch schon eine ganze Weile auf meinem SuB liegen und hatte einfach nicht das Gefühl, dass ich es lesen müsste. Kennt ihr das, wenn Bücher so gar nicht an einen gehen?

Ich hatte auch schon wieder vergessen worum es eigentlich ging, bis ich durch einen Tag auf Instagram wieder darauf aufmerksam gemacht wurde. Nachdem ich den Klappentext (mal wieer) gelesen hatte, war mir klar, dass ich es dann jetzt doch mal in Angriff nehen würde.

Ich könnte mir in den Hintern beißen, dass ich so lange gewartet habe!

Luisas kleiner Bruder Fabi ist tot. Gestorben an Krebs. In einer mehr oder weniger "Nacht und Nebel"-Aktion sind ihre Eltern mit ihr von Hamburg nach Berlin gezogen und haben alles zurückgelassen. Das Haus, die Möbel, die Kleidung und den toten Bruder.
Seit dem Todestag ist für Luisa nichts mehr wie es war. DIe Trauer und der Schmerz hüllen sie ein. Prinzipiell hat sie aufgehört zu leben.

Ich war eifersüchtig, dass seine Pflanzen größer waren als meine, und er darüber, dass meine Erdbeeren besser schmeckten als seine Bohnen. Er hat mir immer heimlich die Hälfte weggefressen.
(Seite 10)

Chemotherapie. Haarausfall. Schmerzen. Vergebliche Operationen. Am siebzehnten Mai starb er. Kurz danach waren die Erdbeeren reif. [...] Ich will Erdbeeren auf sein Grab pflanzen und denken, dass er die ganz alleine essen darf.
(Seite 11)

In ihrer Trauer ist sie vollkommen alleine. Ihre Eltern reden nicht über den toten Sohn und Luisa kommt es vor, als würden sie dafür sorgen wollen, dass er nie existiert hat. Die Eltern begründen es damit, dass sie Luisa den ganzen Schmerz gerne ersparen wollen und sie ohne all dieses Leid aufwachsen soll. Ob das der richtige oder falsche Weg ist, sei mal dahingestellt. Für Luisa scheint es jedoch dr völlig falsche Weg zu sein.

In ihrer Trauer und Einsamkeit beschließt sie zu sterben. Selbstmord durch einen Sturz in die Tiefe. Doch gerade als sie sich entschließt zu springen wird sie aufgehalten. Gerettet von Thursen, der ihr das Versprechen abnimmt, dass sie es nicht nochmal in Betracht zieht zu sterben, da er sie vermissen würde.

Wie sich rausstellt, beobachtet Thursen sie schon eine ganze Weile, denn Thursen ist ein Werwolf und lebt mit seinem Rudel in dem Wald, in dem Luisa sich immer öfter aufhält. Der schwarze Hund, der sie immer wieder aus sicherer Entfernung war ihr durchaus aufgefallen, doch sie dachte, dass es sich dabei um einen Streuner handelte.

Thursen macht sie mit seinem Rudel bekannt, sie schließt Freundschaften mit den anderen und beginnt eine Liebesbeziehung mit Thursen. Als sie selbst sich dazu entschließt ebenfalls Werwolf zu werden um den ganzen Schmerz um Fabi zu vergessen, ist es Thursen, der sie davon abhält. Der Preis, den die Menschen dafür zahlen sollen ist zu hoch. Sie vergessen. Vergessen ihr Leben, vergessen ihre Erinnerungen und vergessen sich selbst. Ab einem gewissen Punkt können sie sich nicht mehr in einen Menschen verwandeln, bleiben ganz Wolf und haben eine deutlich geringere Lebenserwartung.

Thursen steht dieser Schritt auch bevor. Es wird nicht mehr lange dauern und er wird ein Wolf bleiben. Schafft es Luisa ein Gegenmittel zu finden, Thursen und ihre Liebe zu retten bevor es zu spät ist?

Mir hat dieses Buch unglaublich gut gefallen. Es war keine von diesen typischen Fantasygeschichten, in denen der Werwolf etwas Gefährliches oder Böses darstellt, sondern war mehr ein streunender Hund, der niemandem etwas tut, solange man ihn und das Rudel in Ruhe lässt.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Trauer, der Einsamkeit, dem Vergessen, der Liebe und dem Weg zurück ins Leben. Doch auch in der eigentlich ruhigen Geschichte kommt die Spannung nicht zu kurz!

Was mich persönlich etwas gestört hat war die Tatsache, dass es Luisa irgendwie zu leicht gemacht wurde. Sie war tagelang weg und mehrere Nächte mit dem Rudel im Wald, doch ihre Eltern haben sich nicht daran gestört. An einer Stelle regen sie sich auf, weil Luisa nicht da ist um die angelieferte Waschmaschine entgegenzunehmen und einmal wird sie in der Wohnung eingeschlossen, flüchtet aber über den Balkon. Ansonsten juckt es niemanden wo sie ist und was sie tut. Das ist für mich aber eigentlich der einzige Kritikpunkt

Der Schreibstil ist sehr flüssig und auch gut für Jugendliche verständlich. Wenn man sich ranhält, liest es sich sehr zügig.

Edgar? Da war was. In meinem Kopf taucht verschwommen ein Gesicht auf. Rundlich, blaue Augen, Locken in einer Farbe irgendwo zwischen Milchkaffee und Kinderkacke.
(Seite 85)
"Wer ist denn weggelaufen, als ich dir gesagt habe, dass ich ein Werwolf bin? Weißt du denn, ob du mich noch liebst, wenn du meine Vergangenheit kennst?"
"Weißt du denn, wie lange du noch Mensch sein kannst, wie lange es dich überhaupt noch interessiert, ob ich dich liebe?"
(Seite 139) 

"Hat Gabrielle Geburtstag? Gehst du auf eine Party?"
Eine Party? Ich fühle mich Lichtjahre von Lotti entfernt, als würde sie auf einem anderen Stern leben, einem Stern, wo man fröhlich ist und Partys feiert, wo hübsche Prinzessinnen in rosa Kleidern lachend mit ihren Prinzen Walzer tanzen. In meiner Welt dagegen wird gestorben, gefroren und getrauert. Nein, ich werde auf keine Party gehen.
(Seite 230)

Ein wunderschönes Buch über die Trauer, das Vergessen und das wieder aufgefangen und gerettet werden. Lesenswert für jeden, der sich ein wenig mit diesem Thema auseinandersetzen möchte.

Wer eine gruselige oder "brutale" Werwolfgeschichte erwartet, sucht hier vergebens. 
Man muss sich auf dieses Buch und seine Thematik einlassen und darf nicht vergessen, dass es sich um ein Jugendbuch handelt.

Kommentare:

  1. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich hier eine so nette, ausführliche Rezension zu Schattenbüte gefunden habe. Schön, dass dir das Buch gefallen hat!
    Liebe Grüße
    Nora Melling

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    1. Und ich freue mich sehr, dass die Autorin selbst meine Rezension gelesen, kommentiert und für gut befunden hat *.*
      Der zweite Teil liegt auch hier und wartet darauf, gelesen zu werden ;)

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  2. Hallo Franziska,

    das Buch liegt auch noch auf meinem SuB. Seit "nach dem Sommer" bin ich ja etwas skeptisch gegenüber Werwölfen. Aber ich glaube, dass das Buch im Sommer einmal fällig wird.

    lg Florenca ( geliebtes Buch)

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    1. Hallo Florenca!

      Ich habe "Nach dem Sommer" noch nicht gelesen aber bisher eigentlich nur Gutes darüber gehört.
      Habe jetzt auf deinem Blog mal die Rezi dazu gelesen - Begeisterung sieht anders aus ;)
      Es steht auf meiner Wunschliste...mal gucken, ob es den Weg in mein Regal irgendwann findet ;)

      LG Franzy

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