Freitag, 15. Mai 2015

[REZENSION] "Sorry" von Zoran Drvenkar

Titel: Sorry  
Autor: Zoran Drvenkar
Verlag: Ullstein 
Jahr: 2009  
Seiten: 397  
Jahr: 2009
Ausgabe: Hardcover
Preis: 19,90 € 


 
Vier Freunde folgen einem scheinbar harmlosen Auftrag und stehen plötzlich einer grauenvoll zugerichteten Leiche gegenüber.
Er zwingt sie, sich in seinem Namen bei dem Opfer zu entschuldigen. Als sie darauf eingehen, nimmt ein unvorstellbar perfides und grausames Spiel seinen Lauf.

Du schreist aus der Tiefe deines Unterbewusststeins.
Du bist wie ein Taucher, dem nur noch Sekunden bleiben, um aus dieser Tiefe zu fliehen.
Dein Schreien ist das Seil, an dem du dich aus der Dunkelheit ziehst.
Dein Schreien ist dein Leben, zusammengefasst in einem Atemzug. 

Es überrascht dich, wie einfach es ist, sie ausfindig zu machen. 


Das Buch ist in acht Teile und drei Kategorien unterteilt. Davor - dazwischen - danach. Der Leser wird etwas verwirrend zwischen diesen Kategorien hin- und hergeworfen. Erst im Laufe des Buches ergibt alles einen Sinn. Erzählt wird die Geschichte aus sechs Perspektiven.
  • Du
  • Kris
  • Tamara
  • Wolf
  • Frauke
  • Der Mann, der nicht da war
Der Erzähler ist allerdings eine siebte Person, deren Identität nie aufgeklärt wird und die nur den Sinn hat die Geschichte zu erzählen. Es ist nicht wichtig um wen es sich dabei handelt.

Kris und Wolf sind Brüder, Tamara und Frauke beste Freundinnen. Alle vier kennen sich seit Kindheits-/Jugendtagen und sind auch mit einem Alter um die 30 alle noch befreundet.

Kris verliert seinen Job. Ihm fällt auf, dass sein Chef sich bei der Kündigung rausredet und nicht in der Lage ist sich anständig zu entschuldigen. Später bekommt er in einem Park zufällig mit wie sich ein Pärchen streitet und der Mann sich von der Frau trennt. Auch hier wieder ohne Entschuldigung. Er begibt sich zu der Frau und entschuldigt sich für den Mann. Er lässt sie in dem Glauben, dass die beiden Männer Freunde seien und erfindet Gründe für die Trennung, mit der die Frau besser leben kann.


Am Abend sitzt er mit seiner Clique zusammen und berichtet von diesen Vorfällen. Durch Alkohol und Joints entsteht die Idee eine Agentur zu gründen, die das Entschuldigen übernimmt. Aus der fixen Idee wird ein gutes Geschäftskonzept. Sie schalten eine simple Werbung, die sich durch Mundpropaganda schnell weiterverbreitet und die Agentur aus allen Nähten platzen lässt.


SORRY
Wir sorgen dafür, dass Ihnen nichts mehr peinlich ist.
Fehltritte, Missverständnisse, Kündigungen, Streit & Fehler.
Wir wissen, was Sie sagen wollen.
Wir sagen, was Sie hören wollen.  
Professionell & diskret.
(Seite 61) 

Alle vier sind sich einig, dass dieses Konzept nur für Geschäftskunden funktioniert. Sie nehmen keine privaten Aufträge an, da sie sich nicht um Trennungen oder Nachbarschaftsstreits kümmern wollen.
Nach kurzer Zeit können sie sich eine riesen Villa in Berlin leisten und diese grundsanieren lassen. Das Geschäft mit den Entschuldigungen ist ein sehr lukratives.

Bis zu dem Tag, an dem Tamara einen Auftrag annimmt, der das Leben aller durcheinander bringt und zerstört. Getarnt als Geschäftskunde verlangt ein Mörder von ihnen, sich bei einer Toten zu entschuldigen. Eine Frau, die dieser Mann bestialisch ermordet hat.
Welchen Auftrag sie da entgegengenommen haben wird ihnen allerdings erst bewusst, als sie vor der Leiche stehen.
Der Mörder lässt ihnen Fotos zukommen, auf denen sich jeweils ein geliebter Mensch der Vier befindet. Damit schafft er es sie zu erpressen und diesen Auftrag auszuführen - und sich um die Leiche zu kümmern.

Ab diesem Zeitpunkt an gehen nicht nur die einzelnen Leben auseinander sondern auch die Freundschaften werden auf eine sehr harte Probe gestellt.

Und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche...

Der Schreibstil von Zoran Drvenkar war etwas absolut Neues für mich. Am Anfang war es recht verwirrend, was durch die ewigen Zeitsprünge zwischen davor - dazwischen - danach noch verstärkt wurde. Allerdings habe ich mich sehr schnell hineingefunden und war dann absolut begeistert von dieser Erzählweise.

Diese ewig nur leicht angeschnittenen Fakten und Geschichten haben ein großes Verwirrspiel entfacht, das mich als Leser unglaublich an das Buch gefesselt hat. Ich wollte es einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Mit jedem neuen Kapitel kam etwas mehr Klarheit, die im nächsten Kapitel wieder zunichte gemacht wurde und man feststellen musste, dass es nicht so war, wie man es eben noch dachte.

Die Geschichte hinter der Tat ist eine sehr grausame. Ebenso wie die Tat an sich. Mehr kann und will ich jetzt dazu nicht sagen.

Das Buch liest sich sehr flüssig und nimmt ab einem gewissen Punkt unglaublich Fahrt auf, so dass die Seiten nur so umgeblättert werden und man immer weiter lesen möchte.

Für mich persönlich ist dieses Buch eines meiner Jahreshighlights und war sicher nicht das letzte, was ich von diesem (unglaublich talentierten) Autor gelesen habe.


In der Dunkelheit deiner Gedanken möchte ich ein Licht sein.
Ich habe keine Idee, wer das geschrieben hat. Ich erinnere mich nur an den Zettel, der eines Tages in der Küche an die Wand gepinnt war.
(Seite 19)

Frauke nimmt ihr die Zigarette weg und tritt sie aus.
- Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du wie eine Tunte rauchst? Leute wie du sollten nicht rauchen.
- Wem sagst du das.
(Seite 33)

Frauke schaut hinter sich.
- Du hast uns beobachtet?
- Ich hatte immer ein Auge auf euch. Es war sehr gewagt von dir, deinen alten Freund von der Kripo aufzusuchen.
Frauke fängt an zu schwitzen.
(Seite 209)  

Ich empfehle dieses Buch jedem!
Allerdings dürft ihr nicht empfindlich sein und müsst verwirrende Thriller mögen, die sich erst am Ende aufklären.

 

Kommentare:

  1. Deine Rezension hat mir super gefallen und ich überlege, mir auch dieses Buch zu kaufen. Ich wünsche dir mit deinem Blog viel Erfolg und würde mich freuen, wenn du mal bei meinem reingucken würdest (inasbuecherkiste.blogspot.com). Er ist noch sehr jung, deshalb gibt es bei Weitem noch nicht so viel zu lesen wie bei dir. VG Ina Degenaar

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    1. Lob über meine Rezensionen höre ich doch sehr gerne - dankeschön :)

      Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen, habe aber auch schon negative Rezensionen gelesen, weil die Leser mit dem Schreibstil nicht warm geworden sind. Ich fand ihn grandios!

      Geh am besten mal in eine Buchhandlung und schnupper mal rein um zu prüfen, ob das Buch etwas für dich ist :)

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